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Kirchenzeitung 1927
Geschrieben von: Marco Sieslack   
Montag, 04. April 2005 um 12:58 Uhr
Dieser Artikel erschien 1927 in der Kirchenzeitung der Gemeinde St. Georg

Unsere Gemeinde und ihre Pfarrkirche

Die Gemeinde von St. Georg umfaßt die Katholiken von Pankow, Niederschönhausen und Buchholz. Die Gründung der Gemeinde ging bereits vor 30 Jahren von Reinickendorf aus, durch die Errichtung der Herz-Jesu-Kapelle in der Parkstraße. Im Schatten weit ausladender Platanen ruht die Kapelle malerisch auf einer kleinen Landschwelle. Ihr Presbyterium mit gotischen Fenstern blickt zu den Ufern der träumenden Panke. Ein niedriger Kuppelbau führt in das anheimelnde Innere, in dem ein Marienaltar die Blicke auf sich zieht

Für die Katholiken Niederschönhausens wurde 1908 in der Waldowstraße eine alte Werkstatt gemietet und zur Marienkapelle notdürftig umgebaut. Schwere Diasporasorgen schauten aus der mehr als schlichten Notkapelle, bis 1920 der Marienaltar in Nordend im Heim Maria-Frieden Aufstellung fand. Auch dieser Raum erwies sich als zu klein, um alle Katholiken Niederschönhausens zu fassen, so daß der Bau eines neuen Gotteshauses zur Notwendigkeit geworden ist.

Im Mittelpunkt der Seelsorge Pankows steht die herrliche St. Georgs-Kirche in der Kissinger Straße, zu der 1907 der Grundstein gelegt und die 1909 konsekriert wurde. Eine wohlgepflegte Allee, von Linden und Platanen eingefaßt, die in eine prächtige Kirchplatz-Anlage fließt, führt zu dem gotischen Gotteshause. Sein schlanker, reichgegliederter Turm weist das Auge himmelwärts. Ein weit in die Lauben und Häuser der Umgebung blickendes Kruzifix krönt die gotische Nadel, die die Eingangspforte behütet. Ueber dieser führt ein zierlicher Treppengiebel über die Rosette zum prunkenden Blendgiebel, der in fünf Feldern die Etagen durchläuft und in Fialen und Fischblaenkreisen seinen Abschluß findet. Er wiederholt sich am südlichen Querschiff mit lichten Verglasungen. Türmchen, Pultdächer, leichte Streben und Krabben geben dem Aeußeren eine duftige, luftige Gleiderung

Das Innere dieser dreischiffigen Kirche feiert wie der architektonische Aufbau den Triumph Christi. Weite Bogen spannen die reich belichtete Halle, in deren Chor der spätgotische Altar als Meisterwerk religiöser Kunst die Blicke fesselt. Unter weit geöffneter Kreuzblume siegt St. Georg in blinkender Wölbung über den Drachen der Weltgier. Darunter sekundieren zwei knieende Engel andachtsvoll die Expositionsnische, die den Tabernakel überragt. Johannes der Täufer und Johannes der Evangelist mit sechs Engeln, die Posaunen blasen oder Spruchbänder tragen, gruppieren um die fünf glorreichen Rosenkranzgeheimnisse, die in farbigen Reliefs Hauptaspekt und Flügel ausfüllen. Die beiden drehbaren Arme dieses Wandaltars tragen auf der Rückseite das Opfer des Melchisedech als Vorbild und die Einsetzung des Allerheiligsten Altarsakraments als die Tatwerdung götllicher Verheißungen. Ihnen zur Seite St. Hedwig und St. Elisabeth. Ueber beiden Flügeln hebt sich als duftiger Baldachin gotisches Rankenwerk mit hochstrebender Fiale. Die Wandflächen des Presbyteriums sind malerisch verhangen und mit zwei Fresken von Carl Busch geschmückt, die sinnig und stimmungsvoll das Opfer des Abraham und Jesus am Oelberg darstellen. Drei farbenfreudige Fenster berichten die Verkündigung, die Geburt und den Opfertod unseres Heilands.

So steht dieser herrliche Bau als ein katholisches Wahrzeichen im Norden Berlins und sein gotischer Turm ragt weithin über die Häusermasse. Seine Glocken rufen weit über die Häuser und sein Turm steht aufrecht im Gestürm des Feldes.

Die Rechtschreibung und der Ausdruck entsprechen dem Original. (Webmaster)

Zuletzt aktualisiert am Freitag, 04. November 2011 um 21:17 Uhr