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Brief des Kardinals an die Gemeinde anlässlich der Gemeindefusion
Geschrieben von: Marco Sieslack   
Montag, 04. April 2005 um 12:55 Uhr
Diesen Brief sandte Kardinal Sterzinsky Anfang April 2004, etwa 4 Wochen vor Inkrafttreten seines Dekretes zur Auflösung der Gemeinde St. Maria Magdalena an die beiden Gemeinden.

Der Erzbischof von Berlin
Berlin, 31. März 2004

J.-Nr.: B/A-244/04
W.W./Ku

Liebe Schwestern und Brüder aus den Pfarrgemeinden St. Georg und Maria Magdalena,

ab 01. Mai werden Sie nun zu einer Pfarrei unter der Leitung von Herrn Pfarrer Wittig gehören. In dieser für Sie nicht leichten Situation weiß ich mich Ihnen verbunden und möchte Ihnen als Ihr Bischof einen persönlichen Gruß senden.

Die Zuordnung Ihrer Gemeinden ist wegen des zunehmenden Priestermangels seit langem - auf bekannt gegebenen Plänen seit 1997 - im Gespräch. Doch war zunächst nur an Kooperation und eine Schrittfolge im Zusammenwachsen gedacht.

Wie Sie wissen, hat uns die Finanznot gezwungen, bereits bis zum Sommer dieses Jahres durch Veränderung der Pfarrgrenzen größere Gemeinden zu bilden. Ich weiß, dass dies nicht leicht ist und auch nicht überall Zustimmung gefunden hat. Manche neuen Probleme haben sich daraus für Geistliche, hauptamtliche Mitarbeiter und Gemeinden ergeben. Gern hätte ich allen diese Sorgen erspart. Doch auch ohne Finanzkrise hätte uns die Überalterung der Priester in Kürze zu solchen Maßnahmen gedrängt.

Wie in allen Umbruchsituationen ist und bleibt es sicher besonders wichtig, sich auf den Auftrag und das Wesen der Kirche zu besinnen. Wir sind kein weltliches Unternehmen, sondern wir sind die Kirche Jesu Christi, die letztlich aus der Kraft des Geistes lebt und auf Seine Führung auch für die Zukunft vertrauen darf. Er wird uns nicht verlassen, wenn wir den Kontakt zu Ihm nicht verlieren. Daher sind das persönliche Gebet und die gemeinsame Eucharistiefeier von unersetzbarer Bedeutung. Es ist in dieser Situation sicher eine besondere Hilfe, dass Sie im Franziskanerkloster und in der Caritas-Klinik Maria Heimsuchung Möglichkeiten zur Mitfeier der hl. Messe haben. Den Priestern, die dazu bereit sind, danke ich sehr dafür.

Wenn künftig die hinzukommende Gemeinde von Niederschönhausen auch den Namen der Mutterkirche und Pfarrei St. Georg führen wird, so bleibt doch das Patronat der Pfarrkirche Maria Magdalena erhalten als ein geistliches Zuhause und eine Stätte besonderen pastoralen Wirkens, wo Sie weiterhin Gottesdienste feiern werden. Herr Pfarrer Wittig wird auf eigenen Wunsch noch so lange, wie er für seine Mutter zu sorgen hat, im bisherigen Pfarrhaus wohnen. Danach wird er ins Pfarrhaus von St. Georg umziehen, wo künftig der zuständige Pfarrer seinen Wohnsitz haben wird.

Es wird nun für alle eine besondere Aufgabe sein, neben dem Bemühen um den weiteren Zusammenhalt vor Ort sich zu öffnen für mögliche gemeinsame Aktivitäten über die bisherigen Pfarrgrenzen hinaus und lokales Denken zurück zu stellen. Jede und jeder sollte versuchen, einen Schritt auf den anderen oder die andere Gemeinde zuzugehen. Ich hoffe, dass Sie, liebe Brüder und Schwestern, dabei nicht nur Belastungen oder gar Enttäuschungen erfahren, sondern sich auch Chancen eröffnen, die eine Bereicherung für die nun größere Gemeinde bringen kann.

Ich danke allen sehr, die eine Kandidatur für die Gemeindegremien Kirchenvorstand und Pfarrgemeinderat in der jetzigen Situation angenommen haben und sich nun als gewählte oder berufene Mitglieder den anstehenden schwierigen Fragen nicht verschließen wollen. Zugleich hoffe ich, dass Sie zu einem guten Miteinander finden, aufeinander hören und Entscheidungen treffen, die Sie zusammen auf den gemeinsamen Weg bringen.

Einerseits können Sie Herrn Pfarrer Wittig behalten, der in Niederschönhausen die pastorale Situation vor Ort kennt und in letzter Zeit mitgeprägt hat. Andererseits fällt es vielen sicher schwer, von Pater Norbert Just, der als guter und beliebter Seelsorger die bisherige Pfarrei St. Georg geleitet hat, Abschied zu nehmen. Ich danke ihm sehr für seinen treuen Dienst und gebe gern meine Zustimmung, dass er noch bis zur Entscheidung seines Ordens für eine künftige Aufgabe im Sommer dieses Jahres im Pfarrhaus von Pankow wohnen bleiben wird.

Die einzelnen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Pastoral- und Verwaltungsdienst werden unter Umständen noch mehr beansprucht werden, da manche von ihnen vorzeitig in den Ruhestand gehen, Stellenreduzierungen erleiden oder gar arbeitslos werden. Ich verstehe, dass dies für viele Betroffene und ihre Familien schmerzliche Einschnitte mit sich bringen wird. Dennoch hoffe ich, dass sich gemeinsam Wege finden lassen, die zumindest die größten Härten auffangen können. Was meine Mitbrüder und ich dazu beitragen können, wollen wir im Rahmen unserer Möglichkeiten auch tun. Wenn dies nicht ganz gelingen sollte, bedenken Sie bitte: Kirche lebt unter dem Kreuz. Danken möchte ich jedenfalls allen, die sich in der Treue zum kirchlichen Dienst in den vergangenen Jahren bewährt haben.

Außerdem bitte ich alle Frauen und Männer sowie alle Jugendlichen, offen zu sein für ehrenamtliche Dienste, die sich notwendiger Weise aus der neuen Situation ergeben. Die Erfahrungen in anderen Gemeinden mit gleicher Problemlage haben gezeigt, dass in solchen Nöten immer wieder Bereitschaft bei Einzelnen dafür zu finden ist. Darin sehe ich auch ein Zeichen des Heiligen Geistes, der in Seiner Kirche wirkt und überraschende Früchte hervorbringt. Ich hoffe und bete, dass dieser Geist Sie in der neu umschriebenen Pfarrei St. Georg in der kommenden Zeit begleite und alle zu einer guten Weggemeinschaft zusammenführe.

Mit Gruß und Segen Ihr

+ Georg Kardinal Sterzinsky

Sehr geehrte, liebe Mitbrüder,
den beigefügten Brief unseres Herrn Kardinals bitte ich, an einem der nächsten Sonntage Ihrer Gemeinde zur Kenntnis zu geben.
Mit freundlichen Grüßen

Ihr
+ Wolfgang Weider


(eingegangen 8.04.2004, in der Gemeinde veröffentlicht am 12.04.2004)

Zuletzt aktualisiert am Mittwoch, 02. November 2011 um 21:58 Uhr