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70. Geburtstag von Pfarrer Jörg Wittig
Geschrieben von: Dr. Joachim Latt   
Dienstag, 12. Juli 2011 um 20:21 Uhr

Zum 70. Geburtstag von Pfarrer Jörg Wittig

Am 15. Juli dieses Jahres feiert unser Pfarrer Jörg Wittig seinen 70. Geburtstag. Gewöhnlich sind in unserer Gesellschaft Jubilare in diesem Alter bereits in ihrem wohlverdienten Ruhestand, züchten Rosen, reisen in der Weltgeschichte herum, bauen an der Modelleisenbahn oder, zumindest in unseren Zeiten, besuchen Volkshochschulkurse zum Erlernen des Umgangs mit dem Internet. All dies trifft, und hier ist die Floskel „Gott  sei Dank"  tat- sächlich mehr als angebracht, für un- seren Pfarrer nicht zu. Vielleicht hat er im Jahr seines 50. Geburtstages, 1991,

als er die Gemeinde St. Maria Magdalena  als Seelsorger über- nahm, nicht damit gerechnet, hier 20 Jahre seines Lebens und des damit untrennbar verbundenen Priesteramtes zu verbringen – es mag sein, dass auch unseren Pfarrer hier und da die Sehnsucht nach mehr Ruhe und weniger Verantwortung überkam – aber er hat sich dieser Aufgabe gestellt, die oft nicht einfach war, weil sie geprägt wurde durch die Wirren der Wende, durch die Veränderungen der Gemeindestrukturen, durch Fusion und Zusammenwachsen zweier doch so unterschiedlicher Gemeindeteile.

Zu einem solchen Jubiläum wird häufig die Frage gestellt, was denn den Jubilar besonders auszeichnet, worin seine Verdienste bestehen, was ihn und sein Wirken so wichtig und wesentlich macht. Diese Punkte auszuführen würde den Rahmen des Gemeindebriefes sprengen. Daher soll hier auf einen Umstand hingewiesen werden, der vielleicht oft übersehen wird und im Alltag der Gemeinde mit ihrem Pfarrer selten oder gar nicht vorkommt: Das intensive Gespräch mit dem Menschen Jörg Wittig. Der Autor dieser Zeilen hatte das Glück, vor kurzem ein solches Gespräch führen zu können. Es ging um die Probleme der Kirche, des Amtes, die ganzen kritischen Fragen zum Priestertum, zum Zölibat. Und an dieser Stelle sei allen, die sich richtiger- und notwendiger Weise kritisch mit diesen Dingen auseinandersetzen ein Gespräch mit Pfarrer Wittig empfohlen: Ohne Polemik, ohne Polarisation hat Pfarrer Wittig von sich gesprochen, von seinem Leben als Priester, seiner Ehelosigkeit und seiner Erfüllung darin. Es gibt viele Meinungen für oder gegen die Form des priesterlichen Lebens – wir sollten alle darauf achten, dass wir in den Diskussionen auch hören, zuhören, und dann kann etwas Wichtiges und Wesentliches entstehen: ein Verständnis füreinander. Das ist etwas, das unseren Pfarrer in seinem 70. Lebensjahr mehr und mehr auszeichnet: Das Zuhören, das Zulassen anderer Meinungen, der Versuch, Kompromisse zu erreichen und Gespräche zu führen, die allen Seiten genug Freiheit und Raum lassen, ohne sich verteidigen oder rechtfertigen zu müssen. Manch einer bezeichnet so etwas als Altersweisheit – ein schöner und passender Begriff. Nur in einem ist unser Pfarrer kompromisslos: In seinem Leben aus dem Glauben, seiner Sicht auf das Wesen dieses Glaubens, seine Einstellung zu Christus und seiner Verbundenheit zur Liturgie. In unserer heutigen Welt, wo alles und jedes hinterfragt wird, ist das Ankern am Glaubensfelsen sicherlich nicht die schlechteste Möglichkeit, als Priester in einer Gemeinde zu wirken.

Wünschen wir also unserem Pfarrer Jörg Wittig vor allem Gesundheit, Schaffenskraft und die Überzeugung, noch lange in der Gemeinde seinen wichtigen Dienst tun zu können. Herzlichen Glückwunsch lieber Herr Pfarrer und Gottes Segen!

Dr. Joachim Latt, Vorsitzender des PGR