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Kolping St. Georg: Fazenda da Esperanca
Geschrieben von: Alexander Fittkau   
Dienstag, 12. Juli 2011 um 20:54 Uhr

Kolping St. Georg: Fazenda da Esperanca

Am Wochenende vor Pfingsten unternahm die Kolpingfamilie St. Georg einen Ausflug ins Osthavelland, in die Gegend von Nauen. Ziel war das zu DDR-Zeiten verfallene Gut Neuhof/Nauen.  Es wurde von der aus Brasilien stammenden Gemeinschaft Fazenda da  Esperanca (Hof der Hoffnung) erworben und über Jahre wieder aufgebaut. Der Name dieser  Gemeinschaft  ist auch der Name des Anwesens. Inzwischen gibt es weltweit 60 solcher Einrichtungen, in denen jährlich etwa 2000 junge Menschen einen Neuanfang wagen und während eines Jahres versuchen, von ihren Abhängigkeiten wie Alkohol oder Drogen wegzukommen. Hier in Neuhof leben bis zu 36 junge Männer, mit ihnen Christen unterschiedlicher Konfessionen, die auf diesem „Hof der Hoffnung“ sich ganz der Aufgabe widmen, den jungen Leuten durch einen neuen Lebensstil in Gemeinschaft und durch Arbeit z.B. in der Fleischerei, der Bäckerei, in der Hofwirtschaft mit Stall und Garten eine neue Tagesstruktur zu vermitteln. Ein ganz wichtiger Aspekt ist die Spiritualität. Der gemeinsame Alltag richtet sich an den Worten der Bibel aus. Christliche Werte lassen ein neues, gewaltfreies Miteinander erleben. Im Austausch über diese Erfahrungen lernen die jungen Leute, wie das Wort neue Orientierung und Motivation geben kann.

Wir hatten die Gelegenheit, bei einer zweistündigen Führung durch das Anwesen uns davon zu überzeugen, dass hier eine segensreiche Arbeit für diese jungen Männer geleistet wird. Auch die äußeren Gegebenheiten, wie die vorbildlich wieder aufgebauten Häuser, Stallungen und andere Gebäude sorgen natürlich auch für eine Umgebung, die die jungen Männer so nicht kannten.

sattelkreuzZum Abschluss besuchten wir die völlig neu entstandene Paulus-Kapelle, in der die Gemeinschaft ihre Gottesdienste feiert. Einfach, aber modern eingerichtet,  begrüßt sie am Eingang den Eintretenden mit einer Ikone des hl. Paulus. Große Fenster machen sie hell und freundlich, der Blick stellt die Verbindung nach draußen her. Die liturgische Einrichtung wie Altar, Ambo und der in der Rückwand der Kapelle untergebrachte Tabernakel ist mit großem künstlerischen Verständnis von den Bewohnern des Hofes selbst geschaffen worden. Materialien wie Holz, Glas und Metall wurden verwendet, auch ungewöhnliches. So ist die Tür des Tabernakels mit Schlackenresten gestaltet, die bei der Stahlgewinnung anfallen. Dahinter eine indirekte, farbige Beleuchtung, alles zusammen bildet durchaus eine ansprechende, künstlerische Einheit.

Besonders ins Auge fällt das Kreuz, das in die Rückwand der Kapelle eingelassen ist. Das Kreuz selber ist aus einfachen rohen Brettern gefügt, der Korpus aber besteht aus den rostigen  Resten eines Fahrradsattels, die durchaus die Umrisse eines Gekreuzigten erkennen lassen. Wenn man überlegt, dass uns unser Glaube durch das Leben trägt (sollte er eigentlich), so kann man durchaus auf den Gedanken kommen, dass uns ein Fahrradsattel auch tragen kann. Nur, wir wissen, alles Irdische ist vergänglich, so auch der Sattel. Unser Glaube aber soll nicht vergehen.                                                                Alexander Fittkau