| 7. Mail aus Addis Abeba zu Ostern |
| Geschrieben von: Luisa Kühlmann | |||
| Freitag, 28. April 2006 um 00:39 Uhr | |||
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Soooo, nun ist endlich auch Ostern (hier) vorbei. Mal wieder ordentlich gefeiert und Kaffee getrunken ohne Ende.
Aber eine schöne Abwechslung vom Alltag.
Ich realisiere, dass ich seit Weihnachten nichts mehr "berichtet" habe. Doch ist hier auch nicht all zu viel passiert, wenn ich zugeben darf. Ich glaube es interessiert einfach keinen dass ich eine kleine Gruppe Deutschen Touristen eine Führung durch unserer Kirche gab oder dass ich fast aus dem Fenster gefallen bin als ich alleine zuhause war und frisch gewaschenen Vorhänge aufhängen sollte oder das mein erstes Päckchen bei der (ollen!) Äthiopischen Post verloren gegangen ist. Doch wie gesagt, Ostern ist vergangen, und das war mal wieder ein Erlebnis. Ich habe einigen Kindern von der traditionellen Art und Weise erzählt, wie wir in "meinem" Land feiern, und sie haben sich kaputt gelacht über die Idee, dass ein Hase Eier versteckt, die dazu noch bemalt sind. Wie auch Weihnachten haben wir hier um eine Woche später gefeiert, entsprechend dem Kalender hier. Und "gefeiert" heißt: Freitag alle 200... Kinder waschen und früher nachhause schicken, Samstag Abends in einer Italienischen Messe schlafen, und Sonntag ein Programm der Kinder für die Kinder ausführen. Das spannendeste war für mich, dass der Tanz den ich mit 15 unseren Mädels eingeübt habe endlich vorgetanzt wurde. (Konkret: ich muss ab jetzt keine "Überstunden" mehr dafür arbeiten) Und sie haben zu Seeed getanzt. Neben Marmorkuchen und Fußball ein weiteres kleines Stückchen zuhause hier im fernen Afrika. Ach ja, und Ostereier habe ich vier gegessen. Noch nie im Leben habe ich sooo wenig Schokolade zu Ostern genießen können (ist die Welt ungerecht.... heul)! Als Ausgleich dafür habe ich aber noch nie so viel Kaffee getrunken und so viel Popcorn gegessen. Ich wurde eingeladen - in eine Wohnung die genau so groß war wie mein altes Zimmer in der Ossietzkystr. (ca.1,60 mal 2... m - somit bestand die eine Hälfte aus einem Bett und auf der Andere gequetschten sich die Personen) und die traditionelle Kaffeezeremonie wurde meines erachtens ausgeführt. Vier Tassen Kaffee und ca. eine halbe Tonne Popcorn. War mir danach schlecht! (Doch nicht so schlecht wie nach Weihnachten wo ich noch dieses "Tella" trinken musste.) Und für die, die es wundern sollte: Popcorn wird hier traditionell zum Kaffee serviert. Hat ganz und gar nichts mit der amerikanischen Kinokultur zu tun (die eh Zucker auf Popcorn als etwas Barbarisches ansehen und lieber Literweise Butter drüber gießen). Und Thema Kaffee: der wird hier auch mit SALZ serviert (iiiiiii). Die Kinder sind ansonsten aufgeladen und frech wie immer. Wir haben ihnen u.a. einen Lolli zu Ostern geschenkt und als sie sahen, dass ich auch einen in meinem Mund hatten brüllte einer - "Ich will auch einen, ich habe keinen bekommen!" - "Äh, was ist denn das in deiner Hand da?" und zeige auf den Lolli in seiner Hand, der prompt in der Tasche verschwindet - "Nix!! Ich will auch einen Lolli, ich habe keinen Lolli bekommen!!!! Gib mir deinen, sofort!!" Wir haben vor einigen Wochen (zu dem Feiertag zum Andenken des Propheten Mohammeds) die Mütter (etc.) der Kinder eingeladen, ihnen ein kleines Programm vorgeführt und am Ende Anziehsachen und Kekse ausgeteilt. Keiner der 250 Eltern hatte "Danke" gesagt, viele beschwerten sich über das, was sie bekamen oder forderten mehr. Angesichts dieser Tatsache kann ich vielleicht nichts anderes von den Kindern erwarten. Es ist aber auch nicht der richtige Weg von uns (?), die Armut und Ungebildetheit hier zu bekämpfen. Nächstes Jahr wird alles wieder neu gebraucht. Egal, Sonntag hatten wir ein Programm vorgestellt in dem auch italienische Ordensschwestern aus unserer Nachbarschaft eingeladen wurden, zusammen mit einigen ihrer behinderten Patienten. Zuerst sangen einige kleine Kinder ganz zaghaft Lieder - sich viel zu sehr der Menschenmasse vor ihnen bewusst. Einige führten danach ein Theaterstück vor und als letztes war "meine" Tanzgruppe dran, die in ihrer plötzlichen Schüchternheit kaum wieder zu erkennen waren. Denn wahrend ich mit ihnen übte waren sie die aufgedrehtesten und durchgeknalltesten Menschen mit den ich bisher arbeiten durfte. Ich hoffe, es geht euch allen gut und ihr könnt den Frühling genießen!! Hier nimmt die "Kleine" Regenzeit (die seit dem letzten Monat uns mit einer täglichen Flut von Wasser beschenkt hat - mit "Klein" wollen die einen nur verarschen) immer noch kein Ende. Somit lernt der eine oder andere Äthiopier vielleicht endlich mal das Schwimmen. Luisa
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| Zuletzt aktualisiert am Sonntag, 04. März 2007 um 03:01 Uhr |
