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Der KV berichtet über das Projekt
Geschrieben von: Thomas Flügel   
Sonntag, 02. März 2008 um 20:06 Uhr

Kinder- und Jugendarbeit: Ist uns der Anzug zu groß? 

Immer wieder werden Mitglieder des Pfarrgemeinderates und des Kirchenvorstandes darauf angesprochen, ob wir uns denn nicht als Pfarrei St. Georg in der Kinder- und Jugendarbeit etwas zu viel vorgenommen haben, ob das zu bewältigen ist und nicht zuletzt, ob das finanzierbar ist.

Die Erfahrungen der meisten unserer Gemeindemitglieder aus DDR-Zeiten in der Erziehung unserer Kinder haben uns sensibel dafür gemacht, dass christliche Erziehung, die Weitergabe des Glaubens ein sehr hohes Gut ist, welches die Lebendigkeit unserer Pfarrgemeinde sichert und zu der wir verpflichtet sind. Unser großes Glück ist, dass wir immer viele Kinder und Jugendliche in unserer Pfarrgemeinde hatten. Nicht zuletzt die bereits über unsere Pfarrgrenzen hinaus bekannte jährliche RKW ist ein deutliches Zeichen dafür. Als wir vor nunmehr 14 Jahren die Trägerschaft der Kindertagesstätte des ehemaligen Außenministeriums der DDR mit 68 Plätzen übernahmen, war das ein erstes Wagnis. Sehr bald zeichnete sich ab, dass auf Grund verschiedener Faktoren der Bezirk Pankow  kinderreich  bleiben wird und alle Statistiken geben uns heute Recht. So ist unsere Gemeinde nur ein Abbild dieser Entwicklung, denn auch bei uns ist die Anzahl von Kindern nach wie vor sehr hoch. Die Bildungspolitik des Berliner Senats in den vergangenen Jahren zielt darauf ab, Werteerziehung zu verallgemeinern. In allen Bildungseinrichtungen glaubt man auf diese Weise gesellschaftliche Verhaltensregeln vermitteln zu können, ohne an ein festes Wertesystem gebunden sein zu müssen. Die Teilnahme an solcher Erziehung ist verpflichtend. Viele sehen darin einen klaren Verfassungsverstoß, wird doch zu häufig der Erziehungswunsch der Eltern dadurch missachtet. Alles erinnert an die leidigen Erfahrungen eines Staatsbürgerkundeunterrichts zu Zeiten der DDR. Als Folge erleben wir jetzt, dass die Eltern ihr Erziehungsrecht einfordern. Oft sind diese Eltern, die aus allen Teilen der Bundesrepublik in unseren Bezirk zugezogen sind, selbst noch unsicher in der Erziehung ihrer Kinder. Sie sind in einer Umwelt aufgewachsen, die in der Vielfalt ihrer Angebote verunsichert hat und sie jetzt zu klaren Entscheidungen für die Erziehung ihrer Kinder zwingt. Die Folge dieser Entwicklung ist, dass klare Angebote entstehen müssen, die diesen Eltern und den Kindern helfen, in der Schule und als Jugendliche ihre Wertevorstellung vom christlichen, vom katholischen Standpunkt her zu definieren.

Umfassend haben sich Pfarrgemeinderat und Kirchenvorstand mit dem Thema befasst. Das Ergebnis führte zu der Entscheidung, dass die wegen Unwirtschaftlichkeit immer wieder geforderte Schließung der Kindertagesstätte St. Georg abgewendet werden konnte und eine Alternativmöglichkeit gefunden wurde. Nun sind wir schon so weit, dass unsere Kindertagesstätte St. Georg, die mit 65 Plätzen fünfmal mehr Plätze anbieten kann, voraussichtlich im Sommer in ein saniertes Haus einziehen kann.

Unser Engagement führt dazu, dass unsere Kindertagesstätten immer voll belegt sind, sogar Wartelisten existieren. Und das Engagement steckt an. Viele Eltern helfen uns und unseren hauptamtlichen Mitarbeitern. Sie stellen sich aber auch die Frage, wie es nach der Kindertagesstätte weitergehen wird. Sie möchten die einmal in den Kindertagesstätten begonnene Erziehung fortsetzen. Daraus entstand eine Initiative zur Gründung einer katholischen Grundschule Pankow. Wie wir inzwischen wissen, wird es eine Wiedereröffnung einer vor genau 70 Jahren von den Nationalsozialisten geschlossenen Grundschule sein. Ohne viel Werbung haben sofort so viele Eltern Kinder angemeldet, dass zum Schuljahr 2008/2009 zwei 1. Klassen beginnen könnten. Der Bedarf ist also da. Nachdem uns das Erzbischöfliche Ordinariat grundsätzlich zugesagt hat, unser Anliegen zu unterstützen und die Trägerschaft für diese Schule zu übernehmen, hoffen wir dieses Vorhaben auch voranbringen zu können. Viele Eltern sind heute berufstätig. Es ist deshalb notwendig, dass neben der Schule auch eine Hortbetreuung angeboten wird. Das Erzbischöfliche Ordinariat hat uns nahegelegt, diesen Hort als Einrichtung der Gemeinde zu betreiben. Das ist durchaus folgerichtig, denn während die Schule sehr verbindlich einem Lehrplan folgen muss, ist Hortarbeit vor allem auch Freizeit, individuelle Förderung und Kinderseelsorge. Gerade darin aber wollen wir unsere Kompetenz einbringen. Wir müssen darauf reagieren, dass der Religionsunterricht in der Pfarrei schwieriger wird. Können die Kinder nicht zu uns kommen, so müssen wir zu den Kindern gehen. Mit dem Hort werden wir eine ständige katholische Einrichtung für die Kinderarbeit schaffen können. Er soll sich dann auch für andere Schulkinder der Gemeinde öffnen können.

Wenn wir die Trägerschaft, die Verantwortung, für diese Einrichtungen übernehmen, so ist die Frage nach der Finanzierung allzu berechtigt. Alle Trägerschaften werden bei der Senatsverwaltung angemeldet. Hier wird entschieden, ob wir den Status einer anerkannten Bildungsstätte erhalten. Sodann erhalten wir finanzielle Mittel aus dem Senatshaushalt, die es uns erlauben, den Betrieb der Einrichtungen sicherzustellen. Die Eltern aller Einrichtungen müssen ihren Beitrag leisten. Dieser Beitrag ist entweder durch den Senat oder das EBO festgelegt und erlaubt es auch finanzschwachen Familien oder Alleinerziehenden ihre Kinder in unseren Einrichtungen unterzubringen. Verschiedene katholische Einrichtungen, denen wir verbunden sind, unterstützen uns bei größeren Vorhaben an den Gebäuden oder auch bei Projekten.

Viele Entscheidungen zu dieser Thematik sind in der Vergangenheit von den Gemeindegremien gefällt worden. Leider war es trotz unserer Bemühungen nicht immer möglich, alle Gemeindemitglieder umfassend über alle Entscheidungen und deren Hintergründe zu informieren. Auch ist es nicht immer klug, alle Vorhaben in breiter Öffentlichkeit zu diskutieren. Die letzte Wahl hat gezeigt, dass Sie den Gremien ihr Vertrauen ausgesprochen haben. Wir wissen Ihr Vertrauen zu schätzen und werden für unsere Gemeinde den einmal eingeschlagenen Weg weiterverfolgen. Die breite Unterstützung zeigt uns, dass wir dabei sind, für die Kinder- und Jugendarbeit einen Maßanzug zu schneidern. Bitte unterstützen Sie uns darin.

Thomas Flügel
Zuletzt aktualisiert am Dienstag, 04. November 2008 um 23:31 Uhr